Größer als das Gesetz: Trump sieht sich als neuer Napoleon

Napoleonic officer on horseback before stone arch marked “THE LAW”

Donald Trump sieht sich über dem Gesetz. Mit einem Napoleon-Zitat verdeutlicht der Präsident seine Haltung, analysiert USA-Experte Josef Braml in seinem neuen Buch. Focus Online veröffentlicht einen Auszug aus „Die narzisstische Nation“.

Die Wiederwahl von Donald Trump überraschte viele, vor allem auch in den etablierten Medien, die seine Attraktivität für die Wähler nicht begriffen als er versprach, den Status Quo zu ändern.

Sigmund Freud charakterisierte Narzissten als charismatische Führungspersönlichkeiten, die besonders fähig sind, der kulturellen Entwicklung neue Impulse zu geben – aber auch risikobereit sind, den etablierten Zustand zu beschädigen.

Trumps Erdrutschsieg deutet darauf hin, dass es sich nicht nur um die übliche Politik, sogenanntes „Business as Usual“ handelte, sondern auch um das Ergebnis einer weit verbreiteten Desillusionierung über die bestehenden Institutionen, die Trump in seinem Eigensinn revolutionieren will.

Trump: „Wer sein Land rettet, verstößt gegen kein Gesetz“

Trump sieht seine Rückkehr ins Amt als Mandat, seine Exekutivgewalt zu erweitern, auch um gegen seine „Feinde“ vorzugehen und Amerika zu „retten“. Im Februar 2025 schrieb Trump auf „Truth Social“ und X: „Wer sein Land rettet, verstößt gegen kein Gesetz.“

Auch ohne einen von Trump selbst benannten historischen Bezug transportiert diese Aussage ein autoritäres Verständnis politischer Legitimität, in dem persönliches Handeln im Namen der Nation über rechtliche Bindungen gestellt wird. Dieses Napoleon zugeschriebene Zitat wurde weithin als Signal interpretiert, dass präsidentielle Maßnahmen im Namen der „Rettung des Landes“ von rechtlichen Einschränkungen ausgenommen sein sollten.

Trump veröffentlichte das Zitat inmitten zunehmender rechtlicher Herausforderungen gegen die Exekutivmaßnahmen seiner Regierung, darunter Gerichtsbeschlüsse, die Ausgabenstopps blockieren, sowie Veränderungen an der Struktur von Bundesbehörden.

Behauptung steht im Widerspruch zur US-Verfassung

Trumps Aussage entspricht seinem umfassenderen Verhaltensmuster, ausgedehnte Exekutivgewalt durchzusetzen und institutionelle Begrenzungen seiner Macht herauszufordern. Historisch gesehen wurde eine ähnliche Rhetorik genutzt, um außerrechtliche Handlungen von Führungspersönlichkeiten zu rechtfertigen, die existenzielle Bedrohungen für den Staat geltend machten.

Im US-amerikanischen Kontext stehen solche Behauptungen im Widerspruch zum verfassungsrechtlichen Grundsatz, dass keine Person – einschließlich des Präsidenten – über dem Gesetz steht.

Trump hat „gesprochen wie ein wahrer Diktator“

Kritiker – von Verfassungswissenschaftlern bis zu Abgeordneten und Senatoren – argumentierten, dass die Aussage eine autoritäre Denkweise widerspiegele und suggeriert, der Präsident stehe über dem Gesetz, wenn er unter dem Vorwand nationaler Rettung handelt.

Senator Adam Schiff warnte, Trump hätte „gesprochen wie ein wahrer Diktator“; zahlreiche Kommentatoren bemerkten, es könne eine Verfassungskrise andeuten, falls Trump richterliche Kontrollen ignoriert. Während Rechtsexperten betonten, dass in einer konstitutionellen Republik Mittel wichtiger sind als Ziele, stellten Befürworter Trumps Rechtsinterpretation als patriotischen Entschluss dar.

Trump verortet sich als neuer Napoleon

Unbeirrt von der Kritik bekräftigte Donald Trump seine Aussage, indem er kurze Zeit später ein Bild des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte, wie er in die Schlacht reitet, veröffentlichte – versehen mit dem Text: „Wer sein Land rettet, verstößt gegen kein Gesetz“. Spätestens mit dieser Bild-Text-Kombination wurde aus einer zunächst interpretationsoffenen Aussage eine symbolische Selbstverortung, die das eigene Handeln über rechtliche Bindungen stellt.

Viele Anhänger Trumps begrüßten diese Botschaft ausdrücklich. Die rechtsgerichtete Aktivistin Laura Loomer etwa antwortete auf Trumps Beitrag auf der Plattform X mit den Worten: „Danke, Präsident Trump. Wir lieben Dich.“

Auch Elon Musk, der zu diesem Zeitpunkt noch das Department of Government Efficiency (DOGE) leitete, verbreitete Trumps Nachricht weiter und unterstrich seine Unterstützung mit vierzehn US-Flaggen-Emojis. Der rechte Kommentator Jack Posobiec teilte die Botschaft ebenfalls und ergänzte sie um die Parolen „Amerika wird gerettet werden“ sowie „Was getan werden muss, wird geschehen“.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Die narzisstische Nation: Amerika, Europa und die Psychologie der Macht“ von Josef Braml.