Die Axt an der Weltordnung – Was Trump zerstören kann

Nach seiner Europa-Tour stellen sich europäische Regierungen nun verstärkt die Frage, welche Teile der bisherigen, über Jahrzehnte gewachsenen multilateralen Ordnung überhaupt noch sicher sind. Immerhin hat Trump mittlerweile angekündigt, 2020 für eine zweite Amtszeit antreten zu wollen – bei einer Wiederwahl könnte er also acht Jahre mächtigster Mann der Erde sein. Aber auch jetzt könne Trump schon sehr viel kaputtmachen, warnt Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) im Gespräch mit Andreas Rinke, dem Chef-Korrespondenten von Reuters News / Business Insider Deutschland.

„Es ist erkennbar, dass die USA nicht mehr die Rolle des wohlwollenden Hegemons spielen wollen – und dieser Trend fing übrigens schon lange vor Trump an“, meint Braml, der auch Autor des Blogs „Der USA-Experte“ ist.

Letztlich fürchten auch EU-Diplomaten, dass das gesamte internationale und multilaterale Gerüst, wie etwa die WTO oder die Vereinten Nationen und die Nato gefährdet sind. „Schiedsrichter wie die Welthandelsorganisation WTO sind für Trump ein Auslaufmodell“, sagt Braml.

Aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran und dem Pariser Klimaschutzabkommen ist Trump bereits in der ersten Phase seiner Amtszeit ausgetreten.

„Der US-Präsident setzt lieber auf das Recht des Stärkeren.“ Dies zeigt sich für Braml auch im Einsatz der internationalen Leitwährung Dollar als Druckmittel: Jedes Geschäft weltweit, das von Drittstaaten untereinander in Dollar abgewickelt wird, kann vor US-Gerichten landen.

Und Trump droht ausländischen Firmen ausdrücklich mit Bestrafung, sollten sie sich nicht an die US-Sanktionen gegen Iran halten.

Dahinter steckt ein komplett anderes Denken, an dem auch die Mahnungen der Bundesregierung nichts ändern, dass man gemeinsame Herausforderungen doch transatlantisch bewältigen sollte.

Denn das Denken in Partnerschaft ist dem ehemaligen Immobilienhändler fremd: „Für Trump haben Staaten gar keine Freunde, sondern nur Interessen“, sagt Braml. Deshalb attackiert er die EU als multilaterale und für ihn letztlich unverständliche Organisation.

Dr. Josef Braml ist USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und Autor des Buches „Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit“. Aktuelle Analysen veröffentlicht er auch über seinen Blog „usaexperte.com“.

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