Trumps Militärhammer im diplomatischen Porzellanladen

Wie viel Porzellan hat Trump zerschlagen? „Schon sehr viel“, meint Dr. Josef Braml, weil er auch den größten Militärhammer habe. „Die US-Regierung unter Oberbefehlshaber Trump sieht in ihrer militärischen Machtfülle den entscheidenden Wettbewerbsvorteil und setzt deshalb auf das Recht des Stärkeren“, erläutert der USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Gespräch mit der Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Interview von Thomas Ludwig mit Dr. Josef Braml:

Herr Braml, ist die Trump’sche Außenpolitik so irrational wie von vielen Kritikern zum Amtsantritt von Donald Trump befürchtet?

Josef Braml: Nein, sie folgt einer Gesinnung die unserer liberal-internationalistischen Sicht widerspricht: In der so genannten „realistischen“ Weltsicht Trumps gibt es nur Staaten, die danach trachten, ihre eigenen nationalen Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Militärmacht ist in diesem Nullsummendenken ausschlaggebend, um im härter werdenden internationalen Wettbewerb zu gewinnen – natürlich auf Kosten aller anderen Nationen.

Wie viel Porzellan hat Trump zerschlagen?

Schon sehr viel, weil er auch den größten Militärhammer hat. Die US-Regierung unter Oberbefehlshaber Trump sieht in ihrer militärischen Machtfülle den entscheidenden Wettbewerbsvorteil und setzt deshalb auf das Recht des Stärkeren. Im Wall Street Journal vom 30. Mai 2017 erklärten der Nationale Sicherheitsberater, Herbert Raymond McMaster, und der Vorsitzende des Nationalen Wirtschaftsrats, Gary Cohn, dass US-Präsident Trump ein klares Verständnis davon habe, dass die Welt keine ,globale Gemeinschaft‘ sei, sondern eine Arena, in der sich Nationen, Nichtregierungsakteure und Unternehmen betätigen und gegeneinander um ihren Vorteil konkurrieren.

Sozialdarwinistisch anmutende Weltsicht

Der US-Präsident hat sich wiederholt abfällig über internationale Organisationen geäußert. Schadet Trump den Vereinten Nationen?

Diese sozialdarwinistisch anmutende, als realistisch bezeichnete Weltsicht widerspricht der als liberal-internationalistisch geltenden Vorstellung einer regelbasierten Weltordnung, in der die Vereinten Nationen, das Völkerrecht und das Gleichheitsprinzip der UN-Charta eine zentrale Rolle spielen. Denn das transaktionale Geschäftsverständnis der Trump-Regierung, das Geben und Nehmen, kann auf einen einfachen Nenner gebracht werden: Wer zahlt, schafft an. Als größte Beitragszahler haben die USA selbstredend mehr Rechte.

Wie weit treibt Trump die USA in die Isolation?

Donald Trump ist zwar mit einer isolationistischen ‚Amerika First‘-Kampagne in das Weiße Haus eingezogen. Dennoch werden sich die USA unter Trump nicht ins Schneckenhaus zurückziehen. Trump und seine Sicherheitsberater haben rein machtpolitisch garantierte zwischenstaatliche Arrangements im Sinn und engagieren sich nur wenn sie das „vitale“ Sicherheitsinteresse der USA gefährdet sehen. Denn, so die Warnung der Realisten, es besteht auch immer die innere Gefahr der Überdehnung eigener politischer Ressourcen. Der aktuelle innenpolitische Widerstand gegen internationales Engagement, ein isolationistischer Reflex, der sich an beiden Rändern des politischen Spektrums in den USA formiert hat, bedeutet Wasser auf die Mühlen der Realisten.

Herzensanliegen der Christlich-Rechten

Gibt es nicht auch eine neue Ehrlichkeit, indem Trump die Dinge beim Namen nennt wie bei der Jerusalementscheidung?

Auch die Jerusalem-Entscheidung war innenpolitisch motiviert: Beim Nahostkonflikt geht es um ein Herzensanliegen der Christlich-Rechten, die ihn gewählt haben. Diese Menschen haben eine Eschatologie, eine Heilserwartung, dass Jesus Christus erst dann wiederkehren wird, wenn Israel in seinen alttestamentarischen Grenzen reetabliert wird. Ob Trump selber daran glaubt, sei dahingestellt. Er weiß aber, dass er mit seiner Unterstützung Israels für seine mögliche Wiederwahl sorgt.

Zum vollständigen Interview Josef Bramls mit der Neuen Osnabrücker Zeitung

Dr. Josef Braml ist USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin und Autor des Blogs „usaexperte.com