Syrien-Krise: „Der Iran sollte sich wappnen“

Mit seiner Drohung gegen Russland hat US-Präsident Trump Kriegsängste geschürt. Dabei legt er es gar nicht auf eine Konfrontation mit Putin an, sagt USA-Experte Dr. Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in einem Interview mit dem Münchner Merkur. Der Autor mehrerer Bücher gilt als einer der profiliertesten USA-Kenner. Seine These: Eigentlich hat Trump es auf den Iran abgesehen.

Herr Braml, droht ein Krieg zwischen den USA und Russland?

Das würde ich nicht ganz ausschließen. Aber Trump hat explizit angekündigt, die beiden großen Verbündeten des syrischen Präsidenten Assad zur Verantwortung zu ziehen, also auch den Iran. Die Russen hat er ja schon empfindlich getroffen, indem er die Wirtschaftssanktionen scharf gemacht hat; militärisch gegen sie vorzugehen, wäre ein Wahnsinn, den ich ihm nicht zutraue. Beim Iran ist das anders, der sollte sich jetzt wappnen.

Trump geht es gar nicht um Russland?

Natürlich schlägt er rhetorisch harte Töne an, um an der Heimatfront deutlich zu machen, dass er keine Marionette Putins ist. Trump steht innenpolitisch unter großem Druck, vor allem wegen der Russland-Ermittlungen. Da schadet es ihm nicht, markig aufzutreten. Aber der aktuelle Warnschuss richtet sich an den Iran.

Was macht Sie da so sicher?

Ich mache mir schon länger Sorgen um das Atomabkommen, vor allem, seit John Bolton neuer Nationaler Sicherheitsberater im Weißen Haus ist. Der designierte Außenminister Mike Pompeo ist auch kein Iran-Freund. Trump baut sich ein Kriegskabinett zusammen, er bereitet etwas vor. In Europa müssen wir uns darauf einstellen, dass Amerika den Atomdeal aufkündigt. Syrien ist nur ein Schauplatz einer großen Anti-Iran-Strategie.

Mit welchem Ziel?

Trump plant Präventivschläge gegen das Land. Ich nehme sehr ernst, was John Bolton vor drei Jahren in der „New York Times“ schrieb: Um Irans Bombe zu stoppen, müssen wir den Iran bombardieren. Deutlicher geht’s nicht.

Russland wird sich nur schwer raushalten können, wenn die USA gleich zwei Verbündete attackieren.

Was Syrien betrifft, haben die Russen zwar gedroht, dass sie zurückschlagen werden, wenn ihre Soldaten betroffen sind. Der logische Schluss daraus heißt aber: Solange sie nicht betroffen sind und die Amerikaner keinen Regimewechsel in der Region anstreben, können sie in Syrien tun, was sie wollen. Insofern ist Trumps Russland-Tweet für mich ein Ablenkungsmanöver. Der Präsident bereitet ein noch viel gefährlicheres Szenario vor.

Kürzlich wollte Trump noch Bodentruppen aus Syrien abziehen, jetzt will er Raketen abschießen. Klingt nicht nach einer Strategie.

Wieso? Das ist kein Widerspruch. Bodentruppen sind im ungünstigsten Fall Geiseln, die der Gegner vor Ort töten kann, um Druck auf die politische Heimatfront in den USA zu machen. Trump will möglichst viele Amerikaner aus der Region herausholen, bevor er mit den Präventivschlägen im Iran beginnt.

Wann könnte das sein?

Sollten Trump und seine Sicherheitsberater zu der Einschätzung kommen, dass der Iran Atombomben baut, müssen sie schnell reagieren. Vor den Kongresswahlen im November wäre ein Zeitpunkt, an dem Trump auch innenpolitisch Kapital schlagen könnte. Abgeordnete, Senatoren und Wähler sammeln sich um einen Präsidenten, der eine große Gefahr abwendet. Würde Trump die Wahlen aber verlieren, hätten die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern. Sie könnten im Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einleiten – und es unter Umständen mit Senatsmehrheit durchwinken.

Deshalb stürzt Trump den Nahen Osten in neues Chaos?

Das ist ein Risiko, aber die Auswirkungen träfen nicht in erster Linie Amerika. Der Ölpreis würde steigen, was die US-Öl- und Gasexporteure freut. Auch die Militärindustrie könne Kapital daraus schlagen. Die Instabilität träfe vor allem US-Rivalen wie China, das elementar von Öl- und Gasimporten aus dem Mittleren Osten abhängt. Und Europa. Die Flüchtlinge kommen zu uns, nicht in die USA.

Interview: Marcus Mäckler

Dr. Josef Braml ist Amerika-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und Autor des Buches „Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit“. Aktuelle Analysen veröffentlicht er auch in seinem Blog usaexperte.com.

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