Die globale Politik steht vor neuen Herausforderungen. Für Focus Online analysiert USA-Experte Josef Braml Trumps jüngsten Vorstoß, den neuen „Friedensrat“.
1. Was genau ist der Trump-Friedensrat und welche Ziele verfolgt er?
Der sogenannte Trump-Friedensrat (engl. Board of Peace) ist ein im Januar 2026 während des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestelltes internationales Gremium, das von Donald Trump gegründet wurde.
Das ursprüngliche Hauptziel bestand darin, die zweite Phase des Gaza-Friedensplans zu begleiten, einschließlich Waffenruhe, Wiederaufbau und Übergangsverwaltung. Diesem Vorhaben stimmte der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 2803 (2025) zu.
Inzwischen definiert die Gründungscharta eine erweiterte globale Mission: Die Organisation verfolgt das Ziel, internationale Stabilität zu fördern, gute Regierungsführung zu unterstützen und in weltweiten Krisenregionen an einer nachhaltigen Friedenslösung mitzuwirken.
Der Friedensrat soll sich dabei nicht ausschließlich auf den Nahostkonflikt konzentrieren, sondern ist als globales Gremium zur Konfliktlösung konzipiert. Langfristig versteht sich das Gremium als alternative Instanz zur UNO oder zum Sicherheitsrat.
2. Wie wird der Friedensrat von politischen Experten und internationalen Organisationen bewertet?
Die internationale Bewertung des Trump-Friedensrats fällt überwiegend kritisch aus. Hauptkritikpunkte sind die Überschreitung des UN-Mandats sowie die Gefahr, dass der Friedensrat als Konkurrenz zur UNO auftritt.
Kritiker sprechen von einem „Pay-to-Play“-System, bei dem Trump allein über Vetorechte verfügt und Mitglieder eine Milliarde US-Dollar zahlen müssen – was als „Geopolitik gegen Gebühr“ kritisiert wird. Medien wie „Time”, „Bloomberg” und die Nachrichtenagentur AFP bemängeln die geringe Transparenz und Trumps Kontrolle über die Finanzen.
Die Legitimität wird angezweifelt, da viele Demokratien wie Großbritannien, Deutschland und Japan nicht teilnehmen. Besonders die Einbindung autoritärer Staatschefs wie Putin und Erdoğan sorgt für Irritationen.
Allerdings gibt es auch Unterstützer, vor allem aus dem Nahen Osten, Ungarn, Argentinien und Vietnam, die die Initiative als neue Plattform sehen.
3. Welche Rolle spielt Trump im Friedensrat, wie ist die Macht verteilt?
Trump steht im Mittelpunkt des Friedensrats und agiert als Vorsitzender sowie als alleinige Machtinstanz.
Laut Gründungsdokumenten ist ihm der Vorsitz auf Lebenszeit zugesichert, es sei denn, er entscheidet sich freiwillig zum Rücktritt. Darüber hinaus hat Trump die Befugnis, selbst seinen Nachfolger zu bestimmen.
Die Aufnahme neuer Staaten in den Friedensrat liegt ausschließlich in seiner Hand, ebenso besitzt er das Recht, Staaten wieder auszuschließen, wobei den Mitgliedern lediglich ein begrenztes Vetorecht zusteht.
Ihm obliegt es, Resolutionen und Richtlinien zu erlassen, um die Ziele des Rats umzusetzen. Auch in politischer, kommunikativer und personeller Hinsicht ist Trump eng mit dem Friedensrat verflochten, zumal das Exekutivgremium fast ausschließlich aus seinem direkten Umfeld besteht, darunter Persönlichkeiten wie Marco Rubio, Tony Blair, Steve Witkoff oder Jared Kushner.
4. Welche internationalen Konflikte oder Themen hat der Trump-Friedensrat bisher adressiert?
Der Trump-Friedensrat hat bisher offiziell nur den Gazastreifen adressiert. Hier konzentriert sich das internationale Gremium auf die Umsetzung einer Waffenruhe, den Wiederaufbau und die Übergangsverwaltung – alles erfolgt innerhalb eines UN-Mandats bis Ende 2027.
Über diese konkrete Aufgabe hinaus sieht die Gründungscharta des Rats eine Ausweitung auf globale Konflikte vor und spricht explizit von einer internationalen Mission zur Lösung von Krisen weltweit.
Trotz dieser globalen Ambitionen gibt es bislang keine dokumentierten oder operativen Engagements in anderen Konflikten wie etwa der Ukraine, dem Kaukasus oder dem Sahel. Die Einladung an Staaten wie Russland, China, die Türkei und Ägypten unterstreicht allerdings den Anspruch auf weltweite Relevanz.
5. Gibt es konkrete Erfolge oder Ergebnisse, die der Trump-Friedensrat vorweisen kann?
Der Friedensrat weist bislang keine international anerkannten diplomatischen Erfolge auf. Besonders im Gaza-Kontext bleibt seine Wirkung unsichtbar: Seit seiner Gründung im Januar 2026 gab es keine Verbesserung beim Wiederaufbau, in der Sicherheitslage oder bei politischen Verhandlungen. Nach wie vor haben der UN-Sicherheitsrat und die ISF die entscheidende Rolle.
Bisher beschränkt sich die Tätigkeit des Friedensrats auf organisatorische Maßnahmen wie Gründung, Einladungsschreiben und interne Besetzungen. Politische Rhetorik dominiert, aber praktische Ergebnisse oder Output fehlen.
Kurz: Der Friedensrat ist gegenwärtig ein politisches Projekt im Anfangsstadium. Es mangelt an nachweisbaren Erfolgen, die Strukturen sind unklar und der Fokus liegt stark auf der Eigenrolle von Donald Trump.
6. Welche Auswirkungen wird die Arbeit des Trump-Friedensrats auf die US-Außenpolitik haben?
Die Arbeit des Trump-Friedensrats könnte die US-Außenpolitik auf mehreren Ebenen beeinflussen. Zum einen wird ein „transactional diplomacy“-Modell gestärkt, bei dem Loyalität und wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, was zu einer Abkehr von einer UN-zentrierten Politik führen kann und die Entstehung paralleler internationaler Strukturen begünstigt. Viele Diplomaten befürchten dadurch eine Schwächung multilateraler Entscheidungsprozesse.
Zum anderen entstehen Spannungen mit traditionellen Verbündeten, besonders Europa, was das transatlantische Verhältnis weiter belasten könnte. Die Einladung autoritärer Akteure wie Putin und Xi zeigt, dass geopolitische Realpolitik wichtiger wird und die traditionelle US-Rolle als Hüterin einer regelbasierten Ordnung geschwächt wird.
Schließlich nutzt Trump den Friedensrat zur Selbstdarstellung, wodurch die Außenpolitik stärker von innenpolitischen Motiven geprägt wird.
Der Autor: Dr. Josef Braml ist Politikwissenschaftler, USA-Experte und European Director der Trilateral Commission – einer einflussreichen globalen Plattform für den Dialog eines exklusiven Kreises politischer und wirtschaftlicher Entscheider/innen Amerikas, Europas und Asiens.
Zuletzt sind beim Verlag C.H.Beck sein mit Mathew Burrows verfasstes Buch „Die Traumwandler. Wie China und die USA in einen neuen Weltkrieg schlittern“ und sein weiterhin aktueller Bestseller „Die transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten können“ erschienen.
In ihrem neuen Buch „World to Come – The Return of Trump and the End of the Old Order“ beschreiben Braml und Burrows die Gefahren und Chancen der neu entstehenden Weltordnung.