Trump steckt in einer Iran-Sackgasse ohne Ausweg

Trumps Iran-Politik offenbart ein Dilemma, das militärische Macht in politische Schwäche verwandelt – und Europa unfreiwillig zum Spielball macht, analysiert der USA-Experte Josef Braml für Focus Online.

Eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg liegt eigentlich auf der Hand. Doch genau sie ist für Trump politisch kaum gangbar. Diplomatie bedeutet Kompromiss und das Eingeständnis gegenseitiger Abhängigkeit.

Trumps Politikstil hingegen ist auf totale Siege, klare Unterwerfung und bedingungslose Kapitulation ausgerichtet. Verhandlungen auf Augenhöhe würden seinem narzisstischen Selbstbild widersprechen – und seiner Inszenierung von Stärke im Inneren schaden.

Trump steckt im Iran-Krieg in einer Sackgasse

So bleibt der Präsident in einer selbst geschaffenen Sackgasse gefangen: Militärisch kann er das Problem nicht lösen, diplomatisch will er es nicht lösen.

Jetzt verlangt Trump von Europas militärisch deutlich schwächer ausgerüsteten Verbündeten also, was selbst das vermeintlich übermächtige US‑Militär nicht leisten kann: die Straße von Hormus dauerhaft zu sichern und wieder freizumachen. Ausgerechnet jene europäischen Staaten, die Trump regelmäßig wegen angeblich unzureichender Verteidigungsausgaben rügt und als militärisch schwach diffamiert, sollen nun die Kohlen aus dem Feuer holen. Der Widerspruch ist offensichtlich – und entlarvend.

Denn die Krise in der Straße von Hormus zeigt nicht amerikanische Stärke, sondern die Grenzen militärischer Macht im 21. Jahrhundert. Und sie offenbart ein strategisches Dilemma, das Trump selbst geschaffen hat.

Irans stärkste Waffe ist gegen Trump ist der Ölpreis

Die Straße von Hormus ist das wichtigste Nadelöhr der globalen Energieversorgung. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls passiert diese Meerenge. Iran weiß das – und nutzt diese strukturelle Verwundbarkeit gezielt aus.

Angesichts der massiven militärischen Überlegenheit der USA verzichtet Teheran auf eine offene Konfrontation. Stattdessen setzt es auf asymmetrische Mittel: gezielte Störungen des Schiffsverkehrs, Drohungen, Nadelstiche. Die Folge sind steigende Risiken für Reeder und Versicherer – und damit steigende Ölpreise. Irans eigentliche Waffe ist nicht das Militär, sondern der Ölpreis.

Der Iran trifft Donald Trump am wundesten Punkt

Steigende Energiepreise treffen die USA besonders empfindlich. Kaum ein wirtschaftlicher Faktor ist für amerikanische Wähler so unmittelbar spürbar wie der Benzinpreis an der Zapfsäule. Das ist im Iran bekannt, hier setzt Iran an – und genau an diesem Punkt wird Trumps Verwundbarkeit sichtbar.

Mit Blick auf die Zwischenwahlen im November droht Trump der Verlust mindestens einer Kongresskammer. Damit stünde nicht nur seine innenpolitische Agenda auf dem Spiel, sondern seine gesamte politische Handlungsfähigkeit. Iran erhöht also nicht die militärischen, sondern die politischen Kosten – und zwar gezielt für den Präsidenten persönlich.

Trump bekämpft die Folgen seiner eigenen Politik

Paradoxerweise versucht Trump genau jene Zwangslage mit militärischen Mitteln zu beseitigen, die er selbst durch einen unüberlegten Militäreinsatz und die Aufkündigung diplomatischer Arrangements herbeigeführt hat. Der Ausstieg aus dem Iran‑Abkommen und die Politik des „maximalen Drucks“ sollten Teheran in die Knie zwingen. Das Gegenteil ist eingetreten.

Statt Abschreckung erzeugte Washington neue Verwundbarkeiten. Iran passte seine Strategie an, wich der direkten Konfrontation aus und verlagerte den Konflikt auf ein Feld, auf dem militärische Überlegenheit wenig hilft: die globale Ökonomie.

Trump reagiert darauf reflexhaft – mit noch mehr Militär. Trump handelt dabei nach dem Lebensmotto von Homer Simpson, der Hauptfigur der US‑Kultserie Die Simpsons. In einer berühmten Szene erhebt er sein Glas mit den Worten: „Auf den Alkohol – den Ursprung und die Lösung sämtlicher Lebensprobleme.“

Die Ironie dieser Aussage liegt darin, dass genau das Mittel, das die Probleme verursacht, zugleich als Allheilmittel herhalten soll. Übertragen auf Trumps Außenpolitik bedeutet das: Militärische Gewalt, mit der er die Eskalation im Nahen Osten ausgelöst oder verschärft hat, soll nun auch wieder Ordnung schaffen. Doch geopolitische Konflikte lassen sich nicht mit dieser Logik lösen.

Europa zwischen Instrumentalisierung und Ohnmacht

Europa gerät dabei zwischen die Fronten. Militärisch soll es liefern, politisch wird es marginalisiert, strategisch instrumentalisiert. Die Forderung, europäische Staaten sollten die Straße von Hormus sichern, ist weniger Ausdruck transatlantischer Partnerschaft als ein Versuch, politische Kosten auszulagern.

Die Hormus‑Krise ist damit mehr als ein regionaler Konflikt. Sie ist ein Lehrstück über die Grenzen militärischer Macht und die Risiken einer Außenpolitik, die Diplomatie systematisch verachtet.

Trumps Politik zeigt: Selbst eine Supermacht kann in die Defensive geraten, wenn sie komplexe politische Konflikte mit militärischen Kurzschlüssen beantwortet. Am Ende steigen die Kosten – ökonomisch, politisch und strategisch. Und die vermeintliche Stärke entpuppt sich als Ohnmacht.

Der Autor: Dr. Josef Braml ist Politikwissenschaftler, USA-Experte und European Director der Trilateral Commission – einer einflussreichen globalen Plattform für den Dialog eines exklusiven Kreises politischer und wirtschaftlicher Entscheider/innen Amerikas, Europas und Asiens.

Zuletzt sind beim Verlag C.H.Beck sein mit Mathew Burrows verfasstes Buch „Die Traumwandler. Wie China und die USA in einen neuen Weltkrieg schlittern“ und sein weiterhin aktueller Bestseller „Die transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten können“ erschienen.

In ihrem neuen Buch „World to Come – The Return of Trump and the End of the Old Order“ beschreiben Braml und Burrows die Gefahren und Chancen der neu entstehenden Weltordnung.