Pop-Ikone Taylor Swift hatte 2020 Biden im Wahlkampf unterstützt. Taylor Swift hat eine riesige Fangemeinde – und enormen Einfluss. Ein Bekenntnis des Superstars, der den Demokraten zuneigt, könnte die US-Wahl zugunsten von Biden lenken, meinen Beobachter. Doch Josef Braml, USA-Experte und Autor des Buches „Die Transatlantische Illusion“, warnt in seiner Analyse für den Tagesspiegel: Bidens Bemühen um Swift ist ein weiterer Akt der Verzweiflung, der nicht über ein grundlegendes Defizit seiner Kampagne und den möglichen Wahlsieg Donald Trumps hinwegtäuschen sollte.
Angeblich bemüht sich US-Präsident Joe Biden um die Unterstützung der Sängerin Taylor Swift für die Präsidentschaftswahlen am 5. November 2024, bei denen Biden voraussichtlich wieder gegen den ehemaligen Präsidenten Trump antreten wird. Die Popkultur-Ikone soll dem in den Umfragen immer unbeliebteren Präsidenten helfen, vor allem bei jungen Wählerinnen und Wählern wieder mehr Zustimmung zu gewinnen.
„Biden sollte besser seine Wahlkampfstrategie ändern“
Mehr noch würde es Biden helfen, wenn er seine fehlgeleitete Kampagne korrigierte. Selbst mit der Unterstützung von Swift dürfte Biden keinen Blumentopf gewinnen, wenn er seinen Wahlkampf weiterhin darauf fokussiert, die amerikanische Demokratie vor Donald Trump retten zu wollen.
Denn diese Strategie, mit der der Amtsinhaber von seinen schlechten Umfragewerten ablenken will, verfängt bei immer weniger seiner Landsleute. Den meisten Amerikanerinnen und Amerikanern ist ihr eigenes Hemd näher als diese institutionelle Jacke. Sie sorgen sich um ihr wirtschaftliches Auskommen und befürchten, sozial abzusteigen, auch gegenüber illegalen Einwanderern, die ihnen die Jobs wegnehmen könnten.
Die Fokussierung auf innenpolitische Spalt-Themen – die Trump im Wahlkampf weiter forcieren wird – bedeutet auch, dass sich die meisten US-Wählerinnen und Wähler weniger um die Probleme in der Welt kümmern.
Auch die deutschen Beobachter sollten sich nicht an die Hoffnung klammern, dass mithilfe der auch hierzulande populären Sängerin wieder alles gut wird in Amerika: Friede, Freude, Eierkuchen. Unabhängig vom Ausgang der US-Wahlen sollten wir uns von der Illusion befreien, dass die USA für Europa weiterhin jene Sicherheitsleistungen erbringen werden, zu denen die meisten Europäer viele Jahre selbst nicht bereit waren, weil sie ihre „Friedensdividende“ lieber in Sozialleistungen investiert haben.
Dr. Josef Braml ist USA-Experte und European Director der Trilateral Commission – einer einflussreichen globalen Plattform für den Dialog eines exklusiven Kreises politischer und wirtschaftlicher Entscheider/innen Amerikas, Europas und Asiens. Zuletzt erschienen beim Verlag C.H.Beck sein mit Mathew Burrows verfasstes Buch “Die Traumwandler. Wie China und die USA in einen neuen Weltkrieg schlittern“ und sein weiterhin aktueller Bestseller „Die transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten können“.