Der Konflikt mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz spitzt sich zu, weil dieser sich Trumps Erwartung widersetzt, dass sowohl sein engstes Umfeld als auch die Verbündeten ausschließlich zustimmend agieren und ihm bedingungslos folgen. Der USA-Experte Josef Braml im Interviewgespräch mit Silvia Engels für den Deutschlandfunk.
Die zentralen Einschätzungen:
- Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert den US-Irankrieg und stellt damit Trumps Loyalitätsprinzip infrage. Trump betrachtet nicht nur seinen engeren Kreis, sondern auch ehemalige Verbündete als Untergebene.
- Trump erwidert Merz’ Aussage „Das ist nicht unser Krieg“, indem er droht, die Ukraine künftig nicht mehr zu unterstützen, falls die Europäer nicht die USA im Iran-Konflikt flankieren.
- Diese Drohung ist wenig wirksam, da die USA vergangenes Jahr bereits ihre direkte finanzielle Unterstützung für die Ukraine eingestellt haben und nur noch von den Europäern finanzierte Waffen liefern. Selbst diese Waffen werden nun der Ukraine vorenthalten und im Nahen Osten für den eigenen Schutz gegen iranische Raketenangriffe benötigt. Die USA sind nun umso mehr auf das Know-how der Ukrainer angewiesen, um sich gegen russische Drohnen, die an den Iran geliefert werden, zu wappnen.
- Laut Braml ist die Pax Americana, also die Sicherheitsgarantie der USA, Geschichte. Um Russland von China zu lösen, opfert der US-Präsident die Sicherheit der Ukraine und Europas – was jedoch nicht funktioniert, da Putin auf China setzt.
- Russlands Öl- und Gaslieferungen werden für China durch die Blockade der Straße von Hormus wichtiger, da China auf Energieimporte angewiesen ist. Durch seinen kurzsichtigen Irankrieg hat Trump die für die USA gefährliche Verbindung zwischen Russland und China gestärkt. Es gestaltet sich jedoch als diplomatische Herausforderung, einem besserwisserischen Narzissten dabei zu helfen, einen Fehler zu korrigieren.
- Unterwürfiges Verhalten europäischer Politiker hat wenig gebracht; Narzissten begegnet man besser auf Augenhöhe. Dazu sollte Europa seine militärische Eigenständigkeit stärken und ökonomische Druckmittel nutzen, da es einen großen Teil der amerikanischen Wirtschaft und Rüstung finanziert.
Link zum Deutschlandfunk-Interview mit Josef Braml: USA und Europa – US-Experte: Trumps Narzissmus selbstbewusst begegnen

